Anästhesie

Hyperventilationstetanie

Ursache:

Verstärkte Atmung als Angstreaktion. Dabei sinkt der Kohlendioxidspiegel im Blut und es kommt zu einer respirstorischen Alkalose. Dies führt zwangsläufig zu einer Verminderung der Kalziumionen und deren Hemmung der neuromuskulären Reizbereitschaft an den motorischen Endplatten. Infolge des Kalziummangels führen schon unterschwellige Reize zu Muskelkontraktionen, die sich als tetanische Krämpfe manifestieren.

Symptomatik:

Krämpfe in Armen und Beinen mit typischer Pfötchenstellung der Arme (Karpopedalspasmen), Parästhesien mit Kribbeln in den Fingerspitzen, Angst, Schwindelgefühl, bei längerer Dauer Bewusstlosigkeit.

Therapie:

  • Beruhigung des Patienten, der langsamer atmen soll.
  • Einsatz eines Rückatmungssystems (Beatmungsmaske mit angeschlossenem Rückatmungsbeutel). Dabei wird die ausgeatmete kohlensäurehaltige Luft wieder eingeatmet. Die ebenfalls empfohlene Rückatmung in eine Plastiktüte sollte aus psychologischen Gründen unterbleiben.
  • Gegebenenfalls intravenöse Injektion von 5 bis 10 mg Midazolam (Dormicum) zur Sedierung, die mit 1 bis 2 mg alle zwei Minuten bis zur Entkrampfung fortgesetzt werden kann.

Prophylaxe bei bekannter Neigung zur Hyperventilation:

Vermeidung aller Stressfaktoren.

Sedierung mit Midazolam (Dormicum) oral eine Stunde vor dem Eingriff.

Gute Schmerzausschaltung.

Anästhesieversagen

Ursachen:

Fehlerhafte Injektionstechnik, besonders bei Leitungsanästhesie.

Anomalien des Nervenverlaufs.

Injektion in ein entzündlich verändertes Gewebe.

Bereits vorhandenes Hämatom.

Individuelle Variationsbreiten durch unterschiedliche Diffusionsbarrieren.

Überalterte Anästhesielösung.

Therapie:

  • Die Anästhesie kann bei ausbleibender Wirkung nach 10 Minuten wiederholt werden.
  • Bei unvollständiger Anästhesie genügt Nachinjektion.
  • Beachtung der Grenzdosis!

Schleimhautnekrosen

Nekrosen nach Lokalanästhesie treten am ehesten am harten Gaumen auf.

Ursache:

Zu hoher Injektionsdruck bei der Infiltration des straffen Bindegewebes, insbesondere bei der Verwendung von Zylinderampullen.

Symptomatik:

Injektionsbezirk wird blass und verfärbt sich nach einigen Tagen blaurot bis schwarz. In der 2. Woche wird der nekrotische Bezirk demarkiert. Danach liegt der Knochen frei. In der Folgezeit heilt der Defekt über die freie Granulation und epithelisiert sich von den Wundrändern.

Therapie:

  • Sauberhalten der Wundfläche.
  • Spülungen mit Mundwasser.

Prophylaxe:

Injektion am harten Gaumen maximal 0,3 bis 0,5 ml ohne Druck in die Übergangszone vom Alveolarfortsatz zur Gaumenplatte.

Hämatombildung

Ursache:

Anstechen eines Gefäßes, besonders bei der Leitungsanästhesie am Foramen mandibulae und am Tuber maxillare.

Symptomatik:

Bei der Aspiration tritt Blut in die Spritze.

Nach Verletzung des retromaxillären Venenplexus bei der Tuberanästhesie tritt sehr schnell eine Schwellung unterhalb, aber auch oberhalb des Jochbogens auf.

Bei der Leitungsanästhesie am Foramen mandibulae entwickelt sich ein Hämatom langsamer. Es kommt dabei zu einer Schwellung des Gaumensegels und der seitlichen Pharynxwand mit Kieferklemme, die sich innerhalb einer Woche zurückbildet, wenn keine Infektion dazukommt.

Bei Infektion treten die Symptome eines entzündlichen Infiltrats oder eines Abszesses auf.

Therapie:

  • Bei Schwellung während der Tuberanästhesie Injektion abbrechen.
  • Fingerdruck hinter dem Tuber bei weit geöffnetem Mund für einige Minuten.
  • Gegebenenfalls extraoraler elastischer Druckverband.
  • Antibiotische Infektionsprophylaxe.
  • Tritt bei der Leitungsanästhesie am Foramen mandibulae Blut in die Spritze, so muss die Position der Kanüle geändert werden.
  • Wenn bei erneuter Aspiration kein Blut mehr in die Spritze gelangt, sollte die Injektion langsam erfolgen. Der Injektionsdruck hemmt dabei den weiteren Blutaustritt.
  • Die Operation kann dann wie vorgesehen durchgeführt werden.
  • Die zu erwartende Kieferklemme wird durch Mundöffnungsübungen und gegebenenfalls durch Kurz- oder Mikrowellenbestrahlungen behandelt.
  • Bei allen Hämatomen ist eine antibiotische Infektionsprophylaxe erforderlich.

Fazialislähmung

Bei der Mandibularanästhesie kann durch eine zu weit nach dorsal eingeführte Kanüle der retromandibuläre Raum infiltriert werden, wonach nicht selten eine totale Fazialisparese auftritt, die nach Abklingen der Anästhesie verschwindet.

Bei richtiger Führung der Kanüle und Injektion unter Knochenkontakt kann dieser Zwischenfall vermieden werden.

Schluckstörung

Kann durch Eindiffundieren von Anästhesielösung in den seitlichen Pharynxbereich bei Leitungsanästhesie am Foramen mandibulae und bei der Infiltrationsanästhesie im Bereich des weichen Gaumens entstehen. Nach Abklingen der Anästhesie verschwindet auch die Schluckstörung.

Anämische Zonen

Nach Leitungsanästhesien am Tuber maxillare, Foramen infraorbitale, Foramen palatinum und nach Mandibularisanästhesie können anämische Zonen im Haut- und Schleimhautbereich – am häufigsten in der Wange – auftreten.

Ursache ist ein Gefäßspasmus, der vermutlich durch den Vasokonstriktor ausgelöst wird.

Die anämische Zone verschwindet in der Regel in wenigen Minuten.

Es sind auch Fälle mit Beteiligung der A. centralis retinae mit vorübergehender Erblindung bekannt geworden.

Therapie:

  • Bei Ausbleiben einer spontanen Rückbildung anämischer Zonen kann man ein Spasmolytikum Buscopan oder ein gefäßerweiterndes Medikament Complamin i.v. applizieren.
  • Bei Auftreten von Sehstörungen sofortige Überweisung in eine Augenklinik.

Schilddrüsenschwellung

Ursache:

Noradrenalin, seltener Adrenalin.

Symptomatik:

Schwellung der Schilddrüse während oder nach der Injektion.

Therapie:

  • Abbruch der Injektion, öffnen des Kragens, feuchter Umschlag.
  • Internistische Kontrolle.

Trockene Alveole

Ausbleibende Alveolenblutung nach Zahnextraktion.

Ursache:

Zu hoher Adrenalinzusatz im Lokalanästhetikum. Infolge der kräftigen Gefäßverengung bleibt die Alveolenblutung aus.

Symptomatik:

Blutleere Alveole nach der Extraktion eines Zahnes.

Therapie:

  • Anritzen der Zahnfleischränder zur Provokation einer Blutung.
  • Bei ausbleibendem Erfolg Blutentnahme aus einer Armvene und Auffüllung der Alveole mit Gelatineschwamm und Eigenblut.
  • Situationsnaht der Gingivalränder.

Prophylaxe:

Adrenalinkonzentration maximal 1 : 100 000

Iatrogene Schäden

Weichteilverletzungen:

Einklemmen der Weichteile mit einem Haken.

Verbrennung der Schleimhaut durch heißgelaufenes Handstück.

Bissverletzungen durch Aufbeißen auf Lippen, Wange oder Zunge nach dem Eingriff.

Therapie:

  • Salbenabdeckungen.
  • Mundspülungen.

Prophylaxe:

Vermeidung iatrogener Schäden.

Beobachtung des Patienten nach dem Eingriff bis zum Abklingen der Anästhesie.

Kanülenbruch

Ursachen:

Materialfehler, mangelhafte Injektionstechnik, plötzliche Abwehrbewegungen des Patienten.

Therapie:

  • Operative Entfernung, gegebenenfalls Überweisung an einen MKG-Chirurgen

Prophylaxe:

Ausschließliche Verwendung von Einmalkanülen, die so lang sein sollen, dass sie nicht bis zum Konus eingestochen werden müssen.

Verschlucken und Aspiration von Kanülen und anderen Fremdkörpern

Locker aufgesetzte Kanülen können in die Mundhöhle fallen und verschluckt werden.

Der Patient muss dann sofort in eine chirurgische Klinik überwiesen werden, wo der Weg der Kanüle durch Magen und Darm röntgenologisch verfolgt werden kann. Gegebenenfalls kann eine chirurgische Entfernung erforderlich werden.

Für das Verschlucken anderer Fremdkörper gilt das gleiche.

Bei der Aspiration einer Kanüle oder eines anderen Fremdkörpers tritt meistens ein starker Hustenreiz auf. Der Patient sollte dann sofort in eine Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten zur bronchoskopischen Entfernung überwiesen werden.

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