Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie

Akute eitrige Parotitis

Fast ausschließlich aszendierende Infektion im Verlauf schwerer Allgemeinerkrankungen oder nach ausgedehnten Operationen bei älteren Patienten.

Symptomatik:

Anfangs weiche, sehr bald aber verhärtete druckschmerzhafte Schwellung in der Parotisregion mit kollateralem Ödem. Kieferklemme (Masseterbeteiligung). Bei Ausbreitung in den Parapharyngealraum kommen die Symptome eines parapharyngealen Abszesses (siehe Eiterungen der angrenzenden Räume) hinzu.

Aus dem Ausführungsgang entleert sich flockiges, später trübes und eitriges Sekret. Körpertemperatur meistens erhöht.

Differenzialdiagnose:

Odontogener Abszess, Arthritis des Kiefergelenks.

Therapie:

  • Antibiotikabehandlung ungezielt.
  • Eiterabstrich aus dem Ausführungsgang für Antibiogramm.
  • Feuchte Verbände.
  • Nach Vorliegen des Antibiogramms gezielte Antibiotikatherapie.
  • Zur Anregung der Speichelsekretion Lutschen von Zitronenscheiben.
  • Bei Abszedierung Inzision unter Schonung des N. facialis. Eine extraorale Inzision sollte daher unter dem Antibiotikaschutz erst dann vorgenommen werden, wenn der Eiter bis in die Subkutanschicht vorgedrungen ist.
  • Gegebenenfalls kann eine Inzision auch intraoral im Bereich des Ausführungsganges vorgenommen werden.
  • Bleibt unter der Antibiotikatherapie eine Einschmelzung unter zunehmender Chronifizierung aus, so ist eine Wärmebehandlung mit Rotlicht oder Jodiontophorese (siehe Zerviko-faziale Aktinomykose) angezeigt.
  • Im übrigen Weiterbehandlung wie bei chronischer Parotitis (s. unten).

Chronische Parotitis

Entstehung sekundär aus einer akuten Entzündung oder als entzündliche Überlagerung einer Sialadenose oder einer intrakanalikulären Steinbildung sowie nach Röntgenbestrahlung.

Symptomatik:

Wenig schmerzhafte, diffuse und knotige Schwellung der Drüse. Aus dem Ausführungsgang entleert sich schleimig-eitriges oder weißlich-flockiges Sekret.

Bei der Sialographie erkennt man eine Erweiterung der Gangenden (Gangektasien) sowie nebeneinander Strikturen und Ektasien des Hauptausführungsgangsystems. Ein intrakanalikulärer Stein kann ebenfalls dargestellt werden.

Differenzialdiagnose:

Maligner Parotistumor.

Therapie:

  • Anregung der Speichelsekretion durch Lutschen von Zitrone.
  • Wärmebehandlung mit Jodiontophorese oder Kurz- bzw. Mikrowellen.
  • In hartnäckigen Fällen konservative Parotidektomie (siehe Speicheldrüsentumoren)
  • Bei Tumorverdacht Biopsie und gegebenenfalls Tumorentfernung.

Parotitis epidemica (Mumps, Ziegenpeter)

Generalisierte Virusinfektion mit Beteiligung beider Parotisdrüsen, in seltenen Fällen auch der Submandibular- und Sublingualdrüsen. Auftreten hauptsächlich zwischen dem 6. und 15. Lebensjahr.

Symptomatik:

Ödematöse und leicht schmerzhafte, zunächst einseitige Parotisschwellung. Nach 2 bis 3 Tagen folgt in etwa 60 % der Fälle auch die Beteiligung der anderen Seite. Die Mündungen der Ausführungsgänge sind gerötet und geschwollen, die regionären Lymphknoten vergrößert. In der Regel ist Fieber vorhanden.

Komplikationen: Hodenentzündung (Orchitis), Eierstockentzündung (Oophoritis), Meningo-Enzephalitis, Pankreatitis.

Differenzialdiagnose:

Bakterielle Parotitis, odontogene Entzündungen, Arthritis des Kiefergelenks.

Therapie:

  • Bettruhe, feuchte Verbände.
  • Mumpsimmunglobulin zur Prophylaxe einer Orchitis.
  • Bei Orchitis Corticosteroide.
  • Prophylaxe:
  • Immunisierung durch Injektion von abgeschwächten oder abgetöteten Mumpsviren ab 15. Monat möglich.

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