Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie

Fixierte habituelle Luxation

Im Gegensatz zur traumatischen Luxation ist der auslösende Insult relativ gering: Gähnen, ruckartige Unterkieferbewegungen, weite Mundöffnung.

Ursachen:

  • Psychisches Fehlverhalten.
  • Schlaffe Gelenkkapsel.
  • Tiefer Biss, der beim Abbeißen zu maximaler Mundöffnung zwingt.
  • Myoarthropathie vom Typ der Diskoordination mit verstärkter Vorschubbewegung (siehe Myoarthropathien)

Symptomatik:

Der luxierte Unterkiefer steht in Vorbissstellung, der Mund ist halb offen und kann nicht geschlossen werden.

Bei einseitiger Luxation ist der Unterkiefer zur Gegenseite verschoben.

Nicht selten sind die Patienten in der Lage, den Kiefer durch manuelle Hilfe selber zu reponieren.

Therapie:

  • Einrenkung des Unterkiefers mit dem Handgriff nach Hippokrates.
  • Psychotherapie.
  • Gegebenenfalls Verriegelungsoperation (s. unten).
Fixierte Luxation des linken Kiefergelenkkopfes
Fixierte Luxation des linken Kiefergelenkkopfes
Abweichung des Unterkiefers zur Gegenseite
Abweichung des Unterkiefers zur Gegenseite

Nicht fixierte habituelle Luxation

Funktionsstörung, bei der die Gelenkköpfe am Ende jeder Öffnungsbewegung vor die Gelenkhöcker treten und bei Mundschluß wieder zurück gleiten.

Das Krankheitsbild entwickelt sich aus der Myoarthropathie vom Typ der Diskoordination mit verstärkter Vorschubbewegung (siehe Myoarthropathien), die zu einer Abflachung der Gelenkhöcker führt.

Symptomatik:

Auftreten um das 20 Lebensjahr, beim weiblichen Geschlecht häufiger. Bei weiter Mundöffnung springen die Gelenkköpfe über die Gelenkhöcker, wodurch ein terminales Knacken entsteht. Durch ruckartige Bewegungen der Knorpelscheibe in dem schlaffen Gelenk entstehen unregelmäßig auftretende intermediäre Knackgeräusche.

Bei längerem Bestehen treten Gelenk- und Muskelschmerzen auf. Im weiteren Verlauf kann sich nach Abrasion der knorpligen Gelenkflächen eine Arthrosis deformans entwickeln (siehe Arthrosis deformans)

Therapie:

Beseitigung der funktionellen Inkoordination durch isometrische Spannungsübungen der Retraktoren (siehe Myoarthropathien). Durch diese Behandlung kann bei 85 % der Patienten eine Besserung erzielt werden.

Operative Eingriffe sind nur angezeigt, wenn die konservative Therapie ohne Erfolg geblieben ist:

  • Die Schleimhautexzision nach Herrmann strebt durch Exzision von Schleimhaut vor den aufsteigenden Ästen eine narbige Kieferklemme mit einer Mundöffnungsmöglichkeit von 30-35 mm an.
  • Modifikationen sind zusätzliche Anlegung und Tamponade parapharyngealer und pterygomandibulärer Taschen oder Exzision von Anteilen des M. pterygoideus medialis.
  • Die oben beschriebenen Operationen sind mit Rezidivmöglichkeiten belastet und werden heute kaum noch vorgenommen.
  • Die Zügelung der Gelekkapsel erfolgt mit einem gestielten Faszienstreifen aus dem M. temporalis, dessen freies Ende unter dem Jochbogen und vor der Gelenkkapsel nach lateral geführt und dorsal der Kiefergelenks wieder an der Temporalisfascie fixiert wird.
    Auch diese Operation wird heute nur noch selten vorgenommen.
  • Bei der Verriegelungsoperation (Rehrmann), wurden Knochentransplantate extrakapsulär auf die Gelenkhöcker aufgelagert. Heute verwendet man für die Erhöhung der Gelenkhöcker ein Knochenersatzmaterial, z.B. Hydroxylapatitkeramikblöcke. Die Vorschubbewegung der Kondylen wird damit eingeschränkt und die Luxation verhindert. Vorher bestehende Schmerzen werden durch die Operation beseitigt. Die Langzeitergebnisse sind sehr gut.
  • Die Resektion des Tuberculum articulare (Myrhaug) verhindert durch Einebnung der Gelenkhöcker eine Luxation. Das Verfahren wird heute nur noch selten angewandt.
Nicht fixierte habituelle Luxation. Beide Gelenkköpfe rutschen bei weiter Mundöffnung vor die Gelenkhöcker
Nicht fixierte habituelle Luxation. Beide Gelenkköpfe rutschen bei weiter Mundöffnung vor die Gelenkhöcker
Nicht fixierte habituelle Luxation. Beide Gelenkköpfe rutschen bei weiter Mundöffnung vor die Gelenkhöcker
Nicht fixierte habituelle Luxation. Beide Gelenkköpfe rutschen bei weiter Mundöffnung vor die Gelenkhöcker
Verriegelungsoperation des Kiefergelenks nach Rehrmann mit extrakapsulärer Implantation eines Knochentransplantats zur Erhöhung des Tuberculum articulare
Verriegelungsoperation des Kiefergelenks nach Rehrmann mit extrakapsulärer Implantation eines Knochentransplantats zur Erhöhung des Tuberculum articulare

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