Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie

Reaktive Gewebsproliferationen auf entzündlicher, aber auch nicht entzündlicher Basis.

Epuliden

Riesenzellepulis mit Spiegelbild
Große Riesenzellepulis im Oberkiefer
Knochendestruktion im Alveolarfortsatz
Riesenzellepulis im Milchzahngebiss
Riesenzellepulis im zahnlosen Unterkiefer
Knochendestruktion im Alveolarfortsatz
Epulis fibromatosa
Epulis osteoplastica
Knochenbildung im Zentrum des Tumors
Epulis fibromatosa im zahnlosen Oberkiefer
Schwangerschaftsepulis

Überschussbildungen am Zahnfleischrand, wahrscheinlich ausgelöst durch entzündliche Reize des marginalen Parodontiums.

Histopathologisch werden verschiedene Formen unterschieden:

  • Die Epulis gigantocellularis (Riesenzellepulis, peripheres Riesenzellgranulom) zeigt die Struktur des retikulären Bindegewebes und enthält Spindelzellen und mehrkernige Riesenzellen mit resorptiver Funktion. Die zwischen den Zellverbänden gelegenen Maschenräume enthalten Blut. Durch Abbau des Blutfarbstoffes nimmt die tumoröse Schwellung eine Braunfärbung an.
  • Die Epulis granulomatosa besteht aus einem im Überschuss gebildeten Granulationsgewebe.
  • Die Schwangerschaftsepulis (Epulis gravidarum) ist eine aus Granulationsgewebe bestehende Hyperplasie mit ausgesprochenem Gefäßreichtum. Die Proliferationstendenz wird durch die veränderte hormonelle Situation begünstigt.
  • Die Epulis fibromatosa enthält ein kollagenfaserreiches Bindegewebe. Vermutlich handelt es sich um ein Narbenstadium der Epulis granulomatosa und der Schwangerschaftsepulis, möglicherweise auch der Riesenzellepulis.
    Gelegentlich kann in einer Epulis fibromatosa auch Knochengewebe gebildet werden (Epulis osteoplastica). 

Symptomatik:

Die Riesenzellepulis, die Epulis granulomatosa und die Schwangerschaftsepulis haben weitgehend die gleiche Symptomatik:

Rundliche rote bis blaurote, weiche, von Mundschleimhaut überzogene Vorwölbung am Zahnfleischrand, die sich über mehrere benachbarte Parodontien erstrecken kann und nur am bezahnten Kiefer entsteht. Die Veränderung reicht oft unter Auseinanderdrängung der Zähne über den Interdentalraum hinaus bis auf die linguale oder palatinale Seite, so dass die Zähne zirkulär eingefasst werden. Die tumoröse Schwellung ist nicht selten gestielt, die Basis ist dann kleiner als der Durchmesser. Die Oberfläche kann durch Einbeißen der Gegenzähne und durch Verletzungen beim Kauen ulzeriert sein.

Eine Ausdehnung in den Knochen ist möglich. Durch Abbau des Alveolarknochens werden die Zähne locker.

Das Röntgenbild zeigt dann eine interdentale Aufhellung, die im Wurzelbereich der benachbarten Zähne scharf oder unscharf gegen den Kieferknochen abgegrenzt sein kann.

Die Epulis fibromatosa ist derb. Die Oberfläche hat die gleiche Farbe wie normale Schleimhaut. Eine zentrale Knochenbildung, wie sie bei der Epulis osteoplastica vorkommt, ist auf dem Röntgenbild zu erkennen.

Die Epuliden treten am häufigsten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Das weibliche Geschlecht ist im Verhältnis 3:1 mehr betroffen als das männliche. Das Wachstum ist langsam und begrenzt. Gelegentlich – so z.B. in der Schwangerschaft – kann eine Epulis auch schnell wachsen und in kurzer Zeit eine erhebliche Größe annehmen. Hormonelle Einflüsse scheinen auf das Wachstum einen Einfluss zu haben.

Nach unvollständiger Entfernung kommt es meistens zu einem Rezidiv, aber auch eine Spontanrückbildung ist möglich.

Am zahnlosen Kiefer gibt es nur selten eine Epulis. Diese kann nach Extraktion der Zähne verblieben sein oder sich auf dem Boden einer Extraktionswunde gebildet haben.

Differenzialdiagnose:

Hyperplastische Gingivitis, hämatogene Metastase und andere Tumoren.

Therapie:

Bei fehlender Knochenbeteiligung:

  • Exzision des Tumors mit Gingivalrand und Periost und Abtragung der Kortikalis mit einer Fräse.
  • Abdeckung der Knochenwunde, die über die freie Granulation heilt, mit einem Zahnfleischverband.
  • Bei Rezidiv Nachoperation mit Extraktion der betroffenen Zähne und sorgfältiger Exkochleation des Knochendefekts.

Bei Knochenbeteiligung:

  • Extraktion der betroffenen Zähne.
  • Exzision des Tumors im Bereich der Gingiva.
  • Im Knochenbereich Exkochleation und zusätzliche Abtragung des Alveolarfortsatzes mit einer Fräse bis ins Gesunde.
  • Tamponade der Knochenhöhle oder Abdeckung der Knochenwunde mit mobilisierte Schleimhaut.

Granuloma teleangiectaticum

Granuloma teleangiectaticum

Entwickelt sich auf dem Boden kleiner Verletzungen und besteht aus Granulationsgewebe mit zahlreichen Gefäßen.

Symptomatik:

Erbsen- bis haselnussgroße nicht selten ulzerierte und leicht blutende Überschussbildungen der Mundschleimhaut, Gingiva, Zunge und Lippen. Spontane Abheilung oder Vernarbung mit Übergang in einen fibrösen Knoten sind möglich.

Differenzialdiagnose:

Epulis, andere Tumoren.

Therapie:

  • Exzision.

Fremdkörpergranulom

Fremdkörpergranulom

Entzündliche Hypoplasie, die sich in der Umgebung schwer resorbierbarer körperfremder Substanzen entwickelt, die artifiziell ins Gewebe gelangt sind (Talkumkristalle aus Gummihandschuhen, Nahtmaterial, Wurzelfüllmasse, Wundkegel, Wundpuder u.a.).

Histopathologisch findet man Granulationsgewebe mit Fremdkörperriesenzellen, manchmal auch epitheloidzellige Granulationen wie bei der Tuberkulose.

Symptomatik:

Mehr oder weniger scharf abgegrenzter Knoten im Bereich der Schleimhaut oder in der Tiefe der Weichteile.

Spontane Abheilung möglich oder Vernarbung mit Übergang in einen fibromähnlichen Knoten.

Im Knochen findet man eine Aufhellung, die scharf oder unscharf konturiert sein kann.

Differenzialdiagnose:

Epulis oder andere Tumoren, bei Knochenbefall Zyste oder Knochentumor.

Therapie:

  • Exzision von Schleimhaut- und Weichteiltumoren.
  • Kürettage von Knochentumoren.

Reizfibrom

Lappenfibrom im oberen Vestibulum
Ulzeriertes Lappenfibrom (Differenzialdiagnose: Karzinom)
Reizfibrom mit Verhornung der Epitheldecke als Folge einer Irritation durch Scheuern an einem Einzelzahn
Lappenfibrom der Wange, entstanden durch eine einschneidende Klammer eines kieferorthopädischen Geräts.

Entsteht auf dem Boden chronischer traumatischer Reize als überschüssiges Narbengewebe mit entzündlicher Infiltration.

Symptomatik:

  • Prothesenrandfibrom:
    Entwickelt sich bei unzureichendem Prothesensitz bei Alveolarkammatrophie an permanenten Druckstellen als Lappenfibrom im Vestibulum hauptsächlich im Oberkiefer, seltener im Unterkiefer und am harten Gaumen.
    Der Prothesenrand schneidet mit zunehmendem Schwund des Alveolarfortsatzes in die bewegliche Schleimhaut des Vestibulums ein, wodurch Ulzerationen entstehen, in denen bei fortbestehendem Reiz Granulationsgewebe im Überschuss gebildet wird, das in Narbengewebe ausreift. Der lappige Bau der Narbenfibrome kommt durch Einschneiden des Prothesenrandes an verschiedenen Stellen zustande. Wird die Prothese nicht mehr getragen, so wandeln sich die Lappenfibrome in entzündungsfreie fibromähnliche Gebilde um.
  • Reizfibrome kommen auch an den Lippen, an der Wangenschleimhaut und an der Zunge vor. Auslöser sind hier scharfe Zahnkanten sowie Klammern von Prothesen oder kieferorthopädischen Geräten.

Differenzialdiagnose:

Bei Ulzeration Karzinom.

Therapie:

  • Exzision.
  • Bei Prothesenrandfibromen ist zur Verbesserung des Prothesenlagers zusätzlich eine Vestibulumplastik (siehe
    Sulkusplastiken
    ) oder ein Alveolarkammaufbau (siehe Aufbauende Alveolarkammplastik) erforderlich.
  • Ausschaltung der Reizfaktoren durch Eingliederung neuer Prothesen, Beseitigung scharfer Zahnkanten u.a. Reize.