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Grundsätze der Frakturbehandlung im Kieferbereich

Die frakturierten und dislozierten Knochenfragmente müssen reponiert und so lange fixiert werden, bis eine knöcherne Heilung stattgefunden hat.

Reposition dislozierter Knochenfragmente

Die manuelle Reposition erfolgt entweder

  • ohne operative Freilegung der Frakturstelle oder
  • mit operativer Freilegung unter Sicht bei geplanter Osteosynthese.

Eine progressive Reposition mit Hilfe elastischer Gummizüge oder durch Rollenextension wird durchgeführt, wenn eine manuelle Reposition auf Schwierigkeiten stößt, wie z.B. bei veralteten Frakturen oder bei Rücklage des Unter- oder Oberkiefers.

Zur Einstellung der Okklusion werden intermaxilläre Gummizüge benutzt, die an dental fixierten Schienen zwischen Ober- und Unterkiefer eingehängt werden.

Ein dorsal dislozierter Ober- oder Unterkiefer kann durch eine Rollenextension reponiert werden (siehe Frakturen des Gelenkfortsatzes).

Schienenverbände

Intraorale Schienenverbände können direkt im Munde angelegt (direkte Schienenverbände) oder nach Abdrücken in einem zahntechnischen Labor hergestellt werden (indirekte Schienenverbände). 

Direkte Schienenverbände:

  • Kunststoffschienen, die durch Ätztechnik fixiert werden, sind bevorzugte Schienungselemente für Zahnfrakturen und -luxationen. Der selbsthärtende Kunststoff wird in flüssigem Zustand freihändig auf die labialen Flächen der Zähne aufgetragen und in der Regel mit einem Drahtbügel versteift.
  • Orthodontische Brackets werden ebenfalls bei Zahnfrakturen und -luxationen verwandt.
  • Ligaturenverbände bestehen aus Drahtligaturen, die an den Zähnen befestigt werden. Sie dienen als Notschienungen oder für eine kurzfristige intermaxilläre Fixation.

    • Der Ligaturenverband nach Ernst besteht aus Achterligaturen, die sich jeweils über zwei benachbarte Zähne erstrecken. Zur intermaxillären Fixation werden mehrere Achterligaturen im Ober- und Unterkiefer angelegt. Die oberen und unteren Drahtenden werden nach Einstellung der Okklusion miteinander zusammengedreht. Für eine ausreichend stabile intermaxilläre Fixation sind mindestens vier Ligaturenpaare notwendig.
    • Der Ligaturenverband nach Gilmer besteht aus einfachen Ligaturen an einzelnen Zähnen, die zur intermaxillären Fixation mit den Ligaturen des Gegenkiefers zusammengedreht werden.
  • Draht-Kunststoff-Schiene (Schuchardt):

    Am häufigsten verwendete Schiene. Sie wird aus einer Sprossenschiene aus halbrundem weichem Stahldraht mit acht Quersprossen hergestellt.

    Die Schiene wird den vestibulären Flächen der Zähne angebogen. Die okklusalen Enden der Querstreben werden den Kauflächen adaptiert, so dass die Schiene okklusal abgestützt ist. Die angepasste Schiene wird mit dentalen Drahtligaturen eingebunden.

    Die Enden der Drahtligaturen werden dem Drahtbogen adaptiert, der dann mit selbsthärtendem Kunststoff überzogen wird. Dabei soll der Kunststoff bis in die Interdentalräume hineinlaufen, ohne das marginale Parodontium zu tangieren. Nach Abhärten des Kunststoffs werden die okklusalen Häkchen entfernt. Die Schiene sitzt dann infolge der Retention in den Interdentalräumen absolut fest.

    Die gingivalen Enden der Querstreben dienen zur Aufnahme der intermaxillären Drahtligaturen oder Gummizüge.

    Für die Versorgung von Oberkieferfrakturen gibt es Sprossenschienen mit angelöteten Kanülen zur Befestigung der Aufhängedrähte (siehe Mittelgesichtsfrakturen).

    Die Oberkieferschiene kann gegebenenfalls mit einer Gaumenplatte kombiniert werden, die nach Anlegen von transmaxillären Drähten aus selbsthärtendem Kunststoff hergestellt wird.

    Bei längerer Tragedauer der Schienenverbände können Entkalkungsvorgänge an den vestibulären Kronenflächen in dem Spaltraum zwischen Schiene und Zahnschmelz auftreten, die einer beginnenden Karies entsprechen. Zur Vermeidung dieser Veränderungen werden die Zähne vor der Applikation des Kunststoffs mit einem Aminfluorid (Elmex fluid) imprägniert.

    Zusätzlich werden Schmelzflächen und Schienenverbände während der gesamten Behandlungszeit einmal wöchentlich mit Aminfluorid touchiert. Ferner sollen die Patienten die Schienenverbände nach jeder Mahlzeit mit einer fluorhaltigen Zahnpaste sorgfältig reinigen.
Drahtkunststoffschiene nach Schuchardt im Ober- und Unterkiefer mit intermaxillärer Fixation
Drahtkunststoffschiene nach Schuchardt im Ober- und Unterkiefer mit intermaxillärer Fixation
  • Kunststoff-Kappen-Schiene (Pfeiffer):

    Die Kappenschiene wird zur Behandlung von Zahnluxationen und Alveolarfortsatzfrakturen im Milchgebiss verwandt.

    Bei der freihändigen Herstellung wird eine 5 mm dicke Rolle eben noch plastischen selbsthärtenden Kunststoffs über die Zahnreihe gedrückt und kurz vor der vollständigen Abhärtung entfernt. Nach vollendeter Abhärtung des Kunststoffes wird der Überschuss abgeschliffen.

    Die Schiene wird dann mit dünn angerührtem Kunststoff beschickt und eingesetzt.
Kunststoff-Kappen-Schiene nach Pfeifer
Kunststoff-Kappen-Schiene nach Pfeifer
Kunststoff-Kappen-Schiene nach Pfeifer
Kunststoff-Kappen-Schiene nach Pfeifer

Indirekte Schienenverbände

Herstellung nach Abdruck im Labor.

Bei Dislokation der Fragmente innerhalb der Zahnreihe muss das Modell an der Frakturstelle durchgesägt werden. Die Modellfragmente werden dann in die richtige Okklusion mit dem Modell des Gegenkiefers gebracht und in dieser Position miteinander verbunden.

Dieses Arbeitsmodell wird dann für die Herstellung der Schiene benutzt.

  • Draht-Prothesen-Schiene:

    Wird im Lückengebiss und im Milchgebiss angewandt, wenn die Bezahnung  zur Anbringung einer Draht-Kunststoff-Schiene nicht ausreicht.

    Sprossenschiene, verankert in einer lingualen bzw. palatinalen Kunststoffbasis mit Prothesensätteln in den Zahnlücken.

    Die okklusalen Enden der Sprossenschiene werden durch Zahnlücken und Interdentalräume zur lingualen bzw. palatinalen Seite durchgeführt und im Kunststoff verankert.

    An den vorhandenen Zähnen werden Ligaturen angelegt. Der Drahtbogen wird hier – wie bei der Schuchardt-Schiene – mit Kunststoff überzogen.

    Zusätzlich können im Unterkiefer perimandibuläre Drahtumschlingungen (siehe Frakturen des Unterkiefers) und im Oberkiefer Jochbogenaufhängungen (siehe Mittelgesichtsfrakturen) angelegt werden.
  • Prothesen des Patienten:

    Fixation im Unterkiefer durch perimandibuläre Drahtumschlingungen und im Oberkiefer durch zygomaticomaxilläre Aufhängung.

    Mit selbsthärtendem Kunststoff können Häkchen für Ligaturen und andere Vorrichtungen angebracht werden.
  • Aktivator:

    Zur konservativen Behandlung von Kiefergelenkfrakturen.

Zahn im Bruchspalt

Bei geringer Dislokation der Fragmente und leidlicher Erhaltung des Gingivalsaumes eines im Bruchspalt stehenden nicht gelockerten vitalen Zahnes, kann dieser in der Regel erhalten und in den Schienenverband einbezogen werden.

Indikation zur Entfernung:

  • Devitaler Zahn.
  • Zahn mit Wurzelfraktur.
  • Marginale Parodontitis.
  • Apikale Parodontitis oder Zyste.
  • Teilretinierter unterer Weisheitszahn.
  • Vollretinierter Weisheitszahn bei zur Mundhöhle offenem Bruchspalt.

Ernährung und Nachbehandlung

  • Perioperative Antibiotikatherapie bei zur Mundhöhle offenen Frakturen.
  • Klarflüssige Kost bei frisch versorgten Schleimhautwunden.
  • Gegebenenfalls Ernährung über Magensonde.
  • Flüssige Kost nach Abheilung der Schleimhautwunden.
  • Breikost nach Ersatz der intermaxillären Ligaturen durch Gummibänder, die zum Essen herausgenommen werden können.
  • Die Schienenverbände müssen durch sorgfältige Mundpflege sauber gehalten werden. Vom Vestibulum aus können sie mit einer Zahnbürste so bearbeitet werden, dass alle Speisereste entfernt werden.
  • Wöchentliche Kariesprophylaxe während der Tragdauer der Schienenverbände durch Touchieren der Zähne mit Aminfluorid.