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Endokarditisprophylaxe

Bei dento-alveolären Operationen – insbesondere mit Einbeziehung des marginalen Parodontiums – kommt es zu einer Einschwemmung von Mundhöhlenbakterien in die Blutbahn.

Derartige Bakteriämien, die normalerweise keinen Schaden anrichten, können bei Patienten mit Veränderungen im Bereich des Endokards eine Endokarditis auslösen:

Veränderungen mit hohem Risiko:

  • Herzklappenprothesen,
  • Zustand nach bakterieller Endokarditis,
  • Komplexe kongenitale Herzfehler mit Zyanose (Transposition der großen Arterien, Fallot-Tetralogie).

Veränderungen mit mäßiggradigem Risiko:

  • Andere kongenitale Herzfehler,
  • Rheumatische oder anders erworbenen Klappenvitien,
  • Mitralklappenprolaps mit Mitralinsuffizienz,
  • Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie.

Veränderungen mit geringgradigem Risiko:

  • Isolierter Vorhofseptum-Defekt,
  • Chirurgisch korrigierte Vitien (Vorhof- oder Ventrikelseptum-Defekt, offener Ductus Botalli),
  • Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren,
  • Zustand nach aorto-koronarem Bypass,
  • Mitralklappenprolaps ohne Mitralinsuffizienz,
  • funktionelle Herzgeräusche,
  • Zustand nach rheumatischem Fieber.

Die verschiedenen dento-alveolären Eingriffe haben unterschiedliche Risikofaktoren:

Eingriffe mit hohem Risiko:

Eingriffe am marginalen Parodontium und Eingriffe mit Kürettage entzündlichen Gewebes:

  • Zahnsteinentfernung,
  • parodontal-chirurgische Eingriffe,
  • Zahnextraktionen,
  • operative Zahnentfernungen mit Einbeziehung des marginalen Parodontiums,
  • Wurzelspitzenresektionen,
  • Schienungsmaßnahmen bei Kieferfrakturen,
  • Abszessinzisionen, Operationen infizierter Zysten,

Eingriffe mit geringem Risiko:

  • Eingriffe ohne Einbeziehung des marginalen Parodontiums:
  • Operative Zahnentfernungen,
  • Osteotomien in nicht infizierten Bereichen.

Aus den unterschiedlichen Risikofaktoren ergeben sich unterschiedliche Regeln für die Endokarditisprophylaxe:

Präoperativ sorgfältige Mundhygiene durch wiederholte Spülungen mit antiseptischen Lösungen und Zahnreinigungen mit weicher Zahnbürste bei allen Patientengruppen.

Antibiotikaprophylaxe*:

Bei Patientengruppen mit Veränderungen mit hohem und mittelgradigem Risiko:

Erwachsene:

Amoxicillin 2 g oral 1 Stunde vor dem Eingriff oder Ampicillin 2 g i.v. 30 Minuten vor dem Eingriff.

Bei Penicillinallergie:

Clindamycin 600 mg oral 1 Stunde vor dem Eingriff oder i.v. 30 Minuten vor dem Eingriff

Kinder:

Amoxicillin 50 mg/kg oral 1 Stunde vor dem Eingriff oder Ampicillin 50 mg/kg i.v. 30 Minuten vor dem Eingriff

Bei Penicillinallergie:

Clindamycin 20 mg/kg oral 1 Stunde vor dem Eingriff oder i.v. 30 Minuten vor dem Eingriff

Bei der Patientengruppe mit Veränderungen mit geringem Risiko ist eine Antibiotikaprophylaxe in der Regel nicht notwendig. In besonderen Fällen kann gegebenenfalls bei größeren Eingriffen auch bei diesen Patienten eine Antibiotikaprophylaxe erforderlich werden.

 

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*Empfehlungen der American Heart Association und der Deutschen Herzstiftung